Hund Keks und die erste Nacht im neuen Zuhause

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Der Umzugswagen war schon seit Stunden weg, aber im neuen Haus roch noch alles nach frischer Farbe und Karton, und die sechsjährige Aylin lag in ihrem neuen Zimmer und konnte einfach nicht einschlafen. Ihr Bett stand genau dort, wo es auch zu Hause gestanden hatte, ihre Kissen waren dieselben, aber irgendetwas fühlte sich falsch an, so als würde das Zimmer sie noch gar nicht kennen. Neben ihrem Bett, auf einer zusammengerollten Decke, lag Keks, ihr Familienhund, der genauso unruhig wirkte wie sie.

Keks stand auf, schnüffelte einmal an der ungewohnten Zimmerecke, dann an der Türschwelle, und trottete schliesslich hinaus in den dunklen Flur, um das restliche Haus zu erkunden. Für ihn roch hier alles neu, jede Ecke, jede Wand, jeder Teppich, nichts erinnerte an das vertraute Zuhause, in dem er jeden Winkel im Schlaf gekannt hatte. Er schnüffelte sich durchs Wohnzimmer, vorbei an gestapelten Kartons, die noch nicht ausgepackt waren, unter dem Sofa hindurch und um den Esstisch herum, immer auf der Suche nach irgendetwas Vertrautem.

In der Küche fand er nichts, im Bad genauso wenig, aber als er in einen kleinen, halbgefüllten Karton in der Diele stiess, fiel ihm plötzlich ein Duft auf, der anders war als all die neuen Gerüche im Haus. Mit der Nase wühlte er sich vorsichtig durch zusammengeknüllte Handtücher und alte Zeitungspapiere, bis er auf ein weiches, gestreiftes Tuch stiess, das Aylin als kleines Kind fast überallhin mitgeschleppt hatte und das seit einem Jahr nur noch selten aus ihrem alten Regal genommen wurde.

Das Tuch trug noch den Geruch des alten Hauses, nach Aylins altem Kissen, nach der Waschmittelmarke, die ihre Mutter dort immer benutzt hatte, nach all den Nachmittagen, an denen Keks und Aylin gemeinsam auf dem Teppich gespielt hatten. Keks schnüffelte lange daran, bis sein Schwanz zum ersten Mal seit dem Umzug wieder langsam zu wedeln begann. Vorsichtig nahm er das Tuch zwischen die Zähne, ohne fest zuzubeissen, und trottete damit zurück durch den dunklen Flur.

Aylin lag noch wach, als sie hörte, wie Keks' Krallen leise über den unbekannten Boden klickten, näher und näher, bis er mit dem Tuch im Maul neben ihrem Bett stand und es sanft auf die Decke fallen liess. Sie setzte sich auf, griff nach dem Tuch, und sobald sie es an ihr Gesicht drückte, erkannte auch sie den Geruch sofort, so vertraut, dass ihr ein Kloss im Hals verschwand, von dem sie gar nicht gewusst hatte, dass er da war.

„Wo hast du das denn gefunden?", flüsterte sie und strich Keks über den Kopf, der sich zufrieden auf den Boden neben ihrem Bett fallen liess, näher als sonst. Sie drückte das Tuch an sich, atmete den Geruch noch einmal tief ein, und plötzlich fühlte sich das fremde Zimmer schon ein kleines bisschen vertrauter an, so als hätte ein Stück des alten Zuhauses den Weg mit ihnen gefunden.

Draussen zog eine leichte Brise durch das noch ungewohnte Fenster, an dem die Vorhänge noch nicht richtig hingen, aber Aylin störte das nicht mehr so sehr wie zuvor. Sie liess sich zurück in die Kissen sinken, das Tuch fest an die Wange gedrückt, und beobachtete, wie Keks sich mit einem zufriedenen Seufzer direkt neben ihrem Bett zusammenrollte, näher als er es zu Hause je gedurft hatte.

„Zuhause ist wahrscheinlich einfach dort, wo du bist,", murmelte Aylin schläfrig und liess ihre Hand von der Bettkante herunterhängen, bis ihre Finger Keks' weiches Fell berührten. Der Hund seufzte noch einmal, legte den Kopf auf die Pfoten und schloss die Augen, während sein Schwanz noch ein letztes Mal langsam über den unbekannten Boden wischte.

Im neuen Haus wurde es still, nur das leise, gleichmässige Atmen von Mädchen und Hund war noch zu hören, während draussen der Mond über dem noch fremden Garten aufging und durchs ungewohnte Fenster einen vertrauten, weichen Lichtstreifen auf beide warf. So, aneinandergelehnt und mit dem alten Tuch zwischen sich, schliefen Aylin und Keks in dieser ersten Nacht im neuen Zuhause endlich gemeinsam ein.

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